1100 Jahre Kalkum

Seit der Eingemeindung Kalkums im Jahre 1975 gehört das Dorf zu den nördlichsten Stadtteilen der Landeshauptstadt Düsseldorf. Rund 1800 Bewohner verteilen sich auf die Ortsteile Oberdorf, Unterdorf und Zeppenheim, von denen das Oberdorf als Keimzelle von Kalkum gesehen werden kann. Hier stehen Schloss, Kirche und Mühle.
Der an das Gelände des Flughafens grenzende Ortsteil Zeppenheim war ursprünglich ein eigenständiges Dorf, bevor es um 1830 mit Kalkum zur »Spezialgemeinde« vereinigt wurde.
Zeppenheim, Ober- und Unterdorf werden vom Schwarzbach durchflossen, der in den Feldern von Obschwarzbach (Wülfrath) entspringt und bei Wittlaer in den Rhein mündet.
Die ursprüngliche Bebauung Kalkums ist heute noch nahezu vollständig erhalten, jedoch haben Um- und Anbauten sowie Modernisierungen im Laufe der Jahrhunderte das sowohl äußere als auch innere Aussehen der Häuser erheblich verändert. Von den ehemals rund 30 Kothen - wie die kleinen Häuser der Bewohner genannt wurden -, deren Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen, können die meisten der Hausplätze heute noch frühen Erwähnungen zugeordnet werden.

[ Zum Vergrößern ein Bild anklicken ]

Oberdorf

Im Kalkumer Oberdorf liegen die für die Geschichte des Dorfes wichtigsten Gebäude: Schloss, Kirche und Mühle. Ihre Vorgängerbauten bildeten, zusammen mit dem untergegangenen Fronhof, den um das Jahr 890 erstmals erwähnten fränkischen Königshof, der durch eine Schenkung des Königs Arnulf von Kärnten an das Stift Gandersheim (am Harz gelegen) gelangte.
Aus den Reihen der Gandersheimer Dienstmannen, der Ministerialen, die mit der Verwaltung der hiesigen Güter beauftragt waren, gingen die Herren von Kalkum hervor, die sich im Laufe der Zeit, neben Gandersheim, als Kalkumer Grundherren etablierten. Auf die Herren von Kalkum folgten 1443 die Freiherren von Winkelhausen und durch Heirat 1739 die Grafen und späteren Fürsten von Hatzfeldt-Wildenburg.
Die alte Mahlmühle, in den Jahren 1978-1982 restauriert und zu einem gediegenen Wohngebäude umgewandelt, hat ihre dokumentierten Wurzeln in einer Urkunde aus dem Jahre 1265.
Neben einigen ansehnlichen Anwesen, die ebenfalls auf frühe Bebauungen zurückgehen, sind auch die beiden Schulgebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten.

Schloss

Die heutige Vierflügelanlage des Schlosses geht zurück auf Gebäude des Königshofes Kalkum, die vor rund 1100 Jahren auf zwei vom Schwarzbach umflossenen Inseln lagen. Auf der südlich gelegenen Insel stand das Wohngebäude, auf der nördlichen Insel befanden sich die Wirtschaftsgebäude. Diese getrennt liegenden Bereiche wurden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts unter Ludger von Winkelhausen zusammengefügt und zu einer Barockanlage ausgebaut. Eine weitere Umgestaltung erfuhr das Schlossgebäude zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Auftraggeberin für den Umbau in eine klassizistische Schlossanlage war Maria Anna Gräfin von Hatzfeldt-Wildenburg. Unter ihrer Ägide entstand ebenso der durch den Düsseldorfer Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe in einem halbrund vor der neuen Westfassade angelegte Schlosspark im Stil eines Englischen Gartens.
In den Mittelpunkt des Interesses rückte Schloss Kalkum um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch Sophie von Hatzfeldt, Gattin des Edmund von Hatzfeldt-Wildenburg, die nicht nur durch Ihre Freundschaft zu Ferdinand Lassalle, dem (späteren) Mitbegründer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, Aufsehen erregte, sondern auch durch ihren spektakulären Scheidungsprozess, in dem sie einen Vergleich sowie die Trennung von ihrem Ehegatten erzwang.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das baulich völlig ruinöse Schlossgebäude von der Familie von Hatzfeldt-Wildenburg an das Land Nordrhein-Westfalen verkauft, das 1962 hier eine Nebenstelle des Hauptstaatsarchivs Düsseldorf einrichtete.

Kirche

Die Kalkumer St. Lambertus Kirche, in Sichtweite zu Schloss und Mühle gelegen, hat ihre Wurzeln ebenfalls im 9. Jahrhundert. Eine kleine Kapelle aus Holz dürfte den Anfängen gedient haben, gefolgt von Erweiterungen in Stein, die zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert entstanden sind. Abgesehen von Instandsetzungen in Folge von Einquartierungen und mangelnder Unterhaltspflicht seitens des Stifts Kaiserswerth, das 1597 durch ein Tauschgeschäft zwischen Stift und Landesherrn zum Patron der Kirche geworden war, blieb das Kirchengebäude vor größeren Umbauten verschont. Verändert und den Bedürfnissen angepasst wurde im Laufe der Zeit lediglich mehrmals die Eingangshalle. Ende des 19. Jahrhunderts kam der Anbau einer Sakristei an die Apsis des nördlichen Seitenschaffs hinzu.
Von den Ausstattungsstücken der Kirche zählt der um 1200 entstandene romanische Taufstein zu den ältesten noch erhaltenen Taufsteinen am Niederrhein. Neben einigen Figuren aus der Zeit um 1800 besticht vor allem die schlichte Madonnenfigur aus dem 15./Anfang 16. Jahrhunderts am Eingangsbereich zum Chorraum. Das Gnadenbild der Gottesmutter von Kevelaer, entstanden 1647, am Ende des Dreißigjährigen Krieges, hängt gegenüber der Orgeltreppe. Es ist das älteste noch erhaltene Kevelaerbild in der Erzdiözese Köln. Von den drei Reliquiaren, ausgestellt im Wandschrank unter der Orgelbühne, erinnert das Kreuzreliquiar an die im Jahre 1818 von den Grafen von Hatzfeldt-Wildenburg gestiftete Kreuzprozession, die heute noch jedes Jahr am fünften Sonntag nach Ostern durch den Schlosspark zieht. Auf die vielen Toten, die ihre letzte Ruhestätte in der Kirche gefunden haben, weisen nur noch das Epitaph von 1619 des Johann von Winkelhausen und die Renaissancegrabtafel der Eheleute von Ossenbroch hin.
Das im Pfarrgarten neben der Kirche stehende Pfarrhaus, der Weidenhof, geht zurück auf eine erste Bebauung aus dem Mittelalter, die im Laufe der Jahre verändert und 1778 durch ein neu errichtetes Wohnhaus ersetzt wurde, erweitert 1861 und zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch erkennbare Anbauten.

Unterdorf

Das Kalkumer Unterdorf wird von der Unterdorfstraße durchzogen, die an der Kalkumer Schlossallee beginnt und an der Grenze zu Wittlaer-Einbrungen endet. Hier im Unterdorf liegen die meisten der kleinen ehemaligen Kothen, die ihren Namen nach den Besitzern, deren Handwerk oder der Lage des Hauses hatten. Inzwischen haben Hausnummern die Namensgebung der Häuser ersetzt, einzig im Straßennamen »Am Klompenkothen« ist noch eine der alten Benennungen erhalten.
Mitten im Unterdorf, am Abzweig zur Viehstraße, steht die Mariensäule, errichtet 1949 von der Pfarre, geschaffen von Bernhard Lohf, Bildhauer aus Kaiserswerth. Gegenüber der Mariensäule befinden sich zwei kleine Häuser, die sogenannten "Huthäuser", in denen Kuh- und Schweinehirt ihren Wohnsitz hatten. Die beiden Viehhirten trieben im Auftrag der Gemeinde die Kühe und Schweine zum Waid- und Schweidgang in den Forstbusch und in die Überanger Waldungen.
Der einzige, noch erhaltene Kalkumer Gasthof »Meyer & Freemann« entstand 1827 im Hinblick auf die Einrichtung einer Barrierestation, an der die Benutzer der Kaiserswerther-Ratinger-Chaussee eine Straßengebühr zu entrichten hatten. Allerdings hat es noch bis 1845 gedauert, ehe hier die ersten Gelder kassiert werden konnten.
Von den vier Bauernhöfen, die es einmal im Unterdorf gegeben hat, sind nur noch der viele Jahrhunderte alte »Niederhof« und der »Lamertzhof« erhalten.

Zeppenheim

Die erste Erwähnung des einstmals eigenständigen Dorfes Zeppenheim geht zurück auf ein Rentenverzeichnis, das das Stift Kaiserswerth im 11. Jahrhundert über die tägliche Verteilung des Brotes und der Orte, die zur Lieferung desselben verpflichtet waren, erstellt hatte, wozu u.a. auch Zeppenheim gehörte.
Zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert lassen sich einige der Herren von Zeppenheim belegen, von denen Gerhard von Zeppenheim (Geirhard to Zeppenheim) zwar 1487 noch in Zeppenheim Besitz hatte, jedoch in Ratingen wohnte und dort dem Magistrat der Stadt angehörte.
Das älteste, noch bestehende Zeppenheimer Hofgut ist der »Hüttenhof«, bereits 1419 als Kaiserswerther Stiftshof erwähnt, gefolgt vom 1489 erstmals genannten »Steinkamp«. Beide Höfe dienen heute Wohnzwecken. Landwirtschaftlich genutzt wird dagegen noch das 1520 in einem Verzeichnis des Stiftes Kaiserswerth aufgelistete »Sankt Nikolaus-Gütchen«, das spätere »Wüsthofsgut«, auf dem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Kalkumer Gemeindevorsteher Edmund Bertrams lebte.
Das Kleianskreuz von 1824, an der Ecke Alte Kalkumerstraße/Zeppenheimer Weg gelegen, erinnert mit seiner Inschrift an die ehemaligen Bewohner des Kleianshofes (1998 abgerissen) Thomas und Elisabeth Longerich geb. Diepenbroich.

© 2005-2017 Kulturkreis Kalkum e.V.